Welttag des Hörens: Die visuelle Kraft der Gebärdensprache als Fundament für gleichberechtigte Teilhabe

2026-03-03 WTdH

Am heutigen 3. März, dem Welttag des Hörens, rückt die Bedeutung des Hörens weltweit in den Fokus. Während viele Kampagnen unter dem Motto „Klingt nach Leben!“ primär über technische Innovationen und medizinische Vorsorge informieren, setzt der Landesverband Bayern der Gehörlosen e. V. (LVBYGL) einen entscheidenden Akzent: Für uns Gehörlose ist nicht die „Reparatur“ eines Defizits entscheidend, sondern die Anerkennung als stolze sprachliche Minderheit, die die Welt mit den Augen hört.

Das Konzept der „Augenmenschen“

Gehörlose Menschen definieren sich als Augenmenschen. Unsere visuelle Wahrnehmung ist kein bloßer Ersatz für das Hören, sondern eine eigenständige und hocheffiziente Modalität. Unter optimalen Bedingungen, wie klaren Sichtlinien und gutem Licht, ist die visuelle Kommunikation der auditiven Wahrnehmung absolut gleichwertig.

Sprachdeprivation statt „Hördefizit“

Mit großer Sorge betrachten wir aktuelle Darstellungen – auch seitens der Weltgesundheitsorganisation (WHO) –, die behaupten, unversorgtes Hören führe zwangsläufig zu Beeinträchtigungen der kognitiven Entwicklung. Wir stellen klar: Nicht das fehlende Gehör ist die Ursache für Entwicklungsverzögerungen, sondern die sogenannte Sprachdeprivation – der fehlende Zugang zu einer vollwertigen, barrierefreien Sprache wie der Deutschen Gebärdensprache (DGS) in der frühen Kindheit. Wahre Vorsorge muss daher immer die Sicherstellung des sprachlichen Inputs über die DGS beinhalten.

Die Grenzen des Lippenlesens

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Gehörlose problemlos alles von den Lippen ablesen könnten. In der Realität sind lediglich ca. 30 % des Gesagten tatsächlich visuell erfassbar. Die restlichen 70 % müssen durch kognitive Höchstleistung und Kontext erschlossen werden. Diese dauerhafte Anstrengung führt oft zur sogenannten „Lippenlese-Fatigue“, einer massiven Erschöpfung, die die Teilhabe im Alltag erheblich erschwert.

Wegweisend in Bayern: Das Modellprojekt „2Bi“

Ein starkes Signal für die Zukunft ist das bayerische Modellprojekt „2Bi“ (bimodal-bilingual). An den Standorten in München (Musenbergschule) und Würzburg (Dr.-Karl-Kroiß-Schule) wird gezeigt, wie bilinguale Bildung gelingt: DGS und Deutsch werden als gleichberechtigte Unterrichtssprachen genutzt. Das Projekt wird wissenschaftlich durch die LMU München begleitet und vollständig durch den Freistaat Bayern finanziert.

Hören allein ist kein Garant für Teilhabe. Wahre gleichberechtigte Teilhabe in Bayern gelingt nur durch die Anerkennung und Förderung der Gebärdensprache als Erstsprache.

Die Pressemitteilung steht Ihnen hier als PDF zum Download bereit.

Hier finden Sie das YouTube Video zur Pressemitteilung

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